Der Garten
Der Garten steht eigentlich im Vordergrund. Es entsteht ein Terrassengarten in herrlicher Umgebung. Mit Blick nach Stein und in das Alauntal. Natürlich sieht man auch die Donau. Im Rücken, der Norden, liegt der Kögl. Eine urtypische Erhebung in der Wachau und Kögl soll seine Bedeutung von der Mönchskuppe geliehen haben. Göttweig , genau gegenüber im Süden thront mächtig über der Donau und überstrahlt die ganze Gegend. Es sollte ein Garten der Vielfalt werden. Der Wein ist nur ein Bestandteil davon. Der Garten sollte auch Früchte wie Marillen, Kirschen und Zwetschken hervorbringen. Auch die Küchenkräuter werden angebaut , weil Kulinarik gehört zur Kunst. Gemüse wollen wir das ganze Jahr probieren. Nach dem Vorbild vom Augarten geht auch im Winter. Natürlich wird uns auch der Klimawandel beschäftigen. Man muss auch die Farbe Braun aushalten. Wir wollen nicht das Trinkwasser im Garten vergeuden, wir wollen die richtigen Pflanzen mit dem kargen Boden verbinden. Ein Rasen ist nicht unser Ziel. Ein fruchtbarer Garten der Freude macht für Tier und Mensch.
Wir wollen auch alte Sorten erhalten. Sorten die weniger Ertrag bringen, aber vielleicht die Hitze besser aushalten. Wir sind auch ein kleines Labor für trockenresistente Bepflanzung und versuchen mit Kompost ohne Chemie unser Glück. Es geht ja nicht um Ertrag, sondern um die Qualität und Vielfalt. Wir sind offen und holen uns Anregungen von slow food über Biobauern bis zu Demeter.
So naturnahe wie möglich, von der Natur lernen.
Eine schöne Aufgabe, den Lehrmeister Natur bewundern. Man sollte auch verweilen können, staunen, beobachte , lauschen...runterkommen, die Erde spüren...Demut lernen. Wir wollen die Früchte verarbeiten und das Gemüse verwerten - Eigengebrauch, mehr vegan, dem Altern förderlich.
Wieviel Fläche braucht ein Mensch zum Überleben? Eine Frage vom Weltenwaderer Gregor Sieböck, 300 m²? Wir werden berichten. Wir müssen uns auch sicher noch verbessern, Gemüsebauern, Weinbauern, Marillenbauer wird man nicht über Nacht. Es braucht schon viel Erfahrung, gute Kehrmeister neben der Natur und auch manchmal Glück einem Hagelgewitter zu entgehen. Die Natur bestimmt das Leben, nicht Termine oder der Kalender. Garteln hat auch viel soziales. Es können Schulkassen kommen und mitarbeiten. Eventual auch für Senioren interessant in Kooperation mit Senecura Pflegeheim. Die Erde wieder spüren, Regenwürmer beobachten, Ameisen spüren , die Ernte einbringen ..Man hat etwas gemeinsam gemacht. Jäten, Säubern, Kehren oder einfach Sitzen und Schauen ... Die Natur beobachten, soll möglich sein. Der Garten ein Treffpunkt für Jung und Alt, daher sollte auch eine gute Beschriftung erfolgen, Vorbild der Botanische Garten in Wien.
Garten ist Kunst - und unser Berater
Was war Ihr Motto bei der Gestaltung des Projektes Wein.Garten.Haus?
Die besondere Kulturgeschichte im Weltkulturerbe Wachau ist zentrales Thema. Rund um das Thema der Weingartenmauern entsteht ein phantasievoller Terrassengarten, ein Spielfeld und Experimentiergarten. Die Architektur nimmt sich hier zurück, bildet aber mit dem Garten ein gemeinsames Ganzes. Standort, Boden, Klima und eine wertvolle Vegetation sind bestimmende Faktoren für den Garten.
Glauben Sie ist Gartengestaltung auch Kunst?
Gartengestaltung ist immer Kunst bzw. eine der unzähligen Ausdrucksformen von Kunst. Mit Gärten werden Kunstwerke für „die Ewigkeit“ geschaffen, die stets Ausdruck des Zeitgeistes sind.
Wie sind Sie an dieses Projekt herangetragen?
Ein Garten entsteht unter Berücksichtigung vieler Faktoren, die umgebende Landschaft, der Ausblick, die vorhandene Vegetation leiten die ersten Konzeptideen. Im Austausch mit den Vorstellungen und Wünschen des Bauherren wird das Konzept entwickelt und so kristallisiert sich ein umsetzungsreifes Gartenprojekt Schritt für Schritt heraus. Wichtig ist, den Garten als Prozess zu verstehen, das Konzept wird immer wieder hinterfragt, adaptiert, verbessert. Im Grunde genommen ist ein Garten niemals fertig, da Vegetation niemals statisch ist.
Wie gestalten Sie die Verbindung mit der Architektur?
Aus dem Haus heraus leben könnte man sagen, wenn Innenraum und Gartenraum als nutzbares Wohnumfeld verschmelzen, dann funktioniert das Konzept auf sehr vielen Ebenen schon mal sehr gut. Gartenplanung und Architektur ergänzen sich und treten in ein spannendes Wechselspiel.
Was halten Sie vom Bio-boom beim Garteln?
Der Ansatz „Bio“ ist gesamtökologisch gesehen natürlich ein sehr guter. Biologisches Gärtnern sollte in jedem Garten oberste Prämisse sein. Das Ganze ist auch ein komplexes Thema, und vieles an Wissen über die positiven Eigenschaften einzelner Pflanzenarten und wie sie sich auch gegenseitig unterstützen und beeinflussen, viel davon ist verloren gegangen.
Wir müssen versuchen, Gärten wieder als autonom funktionierende Einheiten zu verstehen, wo alle Faktoren zusammenspielen und ein stabiles Ganzes bilden. Der Begriff „Bio“ wird im Sprachgebrauch oft zu kurz gegriffen. Es geht ebenfalls um Regionalität, um den Erhalt alter lokaler und standortangepasster Sorten, und um das Arbeiten MIT der Natur und den klimatischen Bedingungen, Stichwort Wintergemüse. Je mehr davon in einem Garten vereint werden kann, umso unabhängiger werden wir von industrieller Nahrung mit all ihren Nachteilen.
Was treibt Sie persönlich in Ihrem Beruf an?
Der Moment, wo der Garten entsteht, wo die Pflanzen an die vorgesehene Stelle gepflanzt werden, und plötzlich ein Gesamt“Kunst“werk entstehen aus der Summe aller „Zutaten“, manchmal geplant, oft auch überraschend und unerwartet, das ist der schönste Moment im Prozess. Wenn damit andere Menschen glücklich gemacht werden können, dann hat man viel erreicht mit der eigenen Arbeit.
Wo finden Sie Ausgleich von dem Alltagsstress?
Im eigenen Garten, oder beim Sporteln in der Natur, 12 Monate im Jahr.
Welche Weine trinken Sie gerne?
Weine sind für mich ein Ausdruck einer ganzen Kulturlandschaft, einer Generation, und sie sind ein Lebensmittel wie Brot oder ein Apfel. Sie sind unverzichtbar im kulinarischen Repertoire eines Gebietes. Jede Flasche Wein ist etwas Besonderes und das Ergebnis harter menschlicher Arbeit, im Weingarten, bei der Lese und danach jahrelang im Weinkeller, bis das gewünschte Ergebnis gereift ist.
Boden, das Terror, das Mikroklima, oder das Alter eines Rebstockes, sie lassen den Wein immer wieder neu entstehen, Jahrgang für Jahrgang.
Wein trinken bedeutet für mich auch Freude am Trinken haben, sich einzulassen auf die Farbe, den Duft und den Geschmack des Weines, ich bin hier auch komplett offen. Ein besonderes Erlebnis ist auch, sich auf eine Region einzulassen, ihre Winzer und ihre Weine nach und nach kennenzulernen.
Natürlich habe ich auch Rebsorten, die mir besonders zusagen, sei es geschmacklich oder weil sie in ihrer Verbreitung auf kleinere Regionen beschränkt sind, da wäre der Rote Veltliner zu nennen, eine Besonderheit des Wagrams im Weinviertel. Pinot Noir und St. Laurent sind unglaublich intensive Rebsorten unter den Rotweinen, die exzellente Weine entstehen lassen. Ergänzend bin ich ein grosser Freund der Naturweine, hier muss man sich geschmacklich auf ganz neue Wege einlassen, und das Weintrinken eigentlich neu erlernen.
Fleisch oder Gemüse?
Beides. Je vielfältiger, bunter, regionaler, oder aus dem eigenen Garten, ob Wild aus dem Wald oder vom Feld, unsere Kulturlandschaft lässt hier keine Wünsche offen.
Welche Pflanzen werden die Erderwärmung überleben?
Ich bin kein Hellseher. Es kommt ja heute schon zu Verschiebungen, Stichwort Weinanbau. In unseren mitteleuropäischen Gärten wachsen heute mediterrane Sträucher, Kräuter, Obstbäume. Winterharte Kakteen können in der Gartenplanung berücksichtigt werden, neue Obst- und Gemüsesorten können angebaut werden.
Der Wandel ist dramatisch und traumatisierend, passiert in kürzester Zeit innerhalb von Jahrzehnten. Der Mensch ist dabei, auf vielen Ebenen seinen eigenen Lebensraum unwiderruflich zu zerstören. Das schafft keine andere Art auf diesem Planeten. Die Evolution aller Arten auf unserem Planeten wird auf eine harte Probe gestellt durch unser Verhalten.
Welches Projekt möchten Sie noch gerne machen?
Unser Büro arbeite auf vielen Ebenen, mit ganz verschiedenen Projektgrössen, wir sind hier offen für neue Aufgaben und Herausforderungen, die kommen.
Was ist Ihr persönlicher Traumgarten?
Das ist jener, wo viele Pflanzenarten zeigen, was sie können und untereinander in Konkurrenz stehen und um Platz, Licht und Boden kämpfen. Die Vielfalt an Wuchsformen, Blattfarben und -grössen, an Früchten und Blüten in der Pflanzenwelt ist unglaublich. Wenn viele Tierarten wie Vögel oder Insekten hier auch noch ein Zuhause finden, dann ist das sehr befriedigend. Man könnte sagen, mein Traumgarten ist der „Wilde Garten“, ein bisschen der Ansatz, den ich im eigenen Garten verfolge.
Wieso gerade Gartenplaner?
Meine Arbeit vereint viele persönliche Interessen in einem, das macht die Arbeit zur Aufgabe. Für die Planung und Herstellung eines Gartens braucht es begnadete Pflasterer, Steinmaurer, gute Tischler, und Gärtner mit Liebe zur Pflanze. Eigentlich der schwierigste Job den es gibt...
Herzlichen Dank für das Gespräch.
DI Joachim Kräftner der Künstler:
- Studium der Landschaftsplanung und -pflege an der Universität für Bodenkultur in Wien
- Auslandsstudium in Évora und Lisboa (Portugal) 1996 / 1999, Diplom 2001
- Mitarbeit in Wiener Landschaftsplanungsbüros bis 2004
- Ab 2004 als selbständiger Landschaftsarchitekt tätig, bis 2008 Partner von EGKK Landschaftsarchitektur.
- Seit 2009 Kräftner Landschaftsarchitektur in Wien 7.
- Seit 2001 laufende Lehrtätigkeit am Institut für Ingenieurbiologie und Landschaftsbau (Arbeitsbereich Landschaftsbau) der Universität für Bodenkultur und am Fachbereich für Landschaftsplanung und Gartenkunst der TU Wien.
E-Mail: office@buerokraeftner.at
Tel.: +43 (0)6991 9417192